Steuerung des Laktathaushalts

Lesedauer: 9 Minuten

Steuerung des Laktathaushalts

Lesedauer: 9 Minuten 

Der Laktathaushalt beschreibt, wie der Körper mit schnell verfügbarem Energiebedarf umgeht und Stoffwechselprozesse zwischen verschiedenen Geweben koordiniert. Laktat entsteht dabei laufend während der Glykolyse und erfüllt eine aktive Funktion als Energieträger und Signalstoff, der den Fortgang der Energiegewinnung ermöglicht. Wie stark Laktat unter Belastung ansteigt und wie rasch es wieder in andere Stoffwechselwege eingebunden wird, unterscheidet sich deutlich zwischen Menschen und wird neben Training und Lebensstil auch durch genetische Faktoren geprägt. Der folgende Beitrag beschreibt die biochemischen Grundlagen des Laktatstoffwechsels, die Funktion des MCT1-Transporters sowie die Bedeutung genetischer Varianten für Leistungsfähigkeit, Regeneration und Stoffwechselanpassung.

Das Wichtigste in Kürze
  • Laktat entsteht fortlaufend im Rahmen der Glykolyse und wird vom Körper als Energieträger und Signalsubstanz genutzt, um die Energiegewinnung auch unter hoher Belastung aufrechtzuerhalten. Entscheidend für die Belastungs- und Erholungsfähigkeit ist, wie gut Laktat zwischen Zellen transportiert und weiterverarbeitet werden kann; hierin bestehen ausgeprägte individuelle Unterschiede

  • Das MCT1-Gen (rs1049434) beeinflusst den Transport von Laktat und Protonen über Zellmembranen und wirkt sich dadurch auf Laktatverlauf, pH-Stabilität und Regenerationsdauer aus.

  • Für die medizinische Praxis ist wichtig, dass Laktatwerte nicht isoliert betrachtet werden, sondern gemeinsam mit Trainingszustand, mitochondrialer Leistungsfähigkeit, Nährstoffversorgung und genetischer Transportkapazität interpretiert werden, um Belastung und Erholung sinnvoll abzustimmen.

Inhaltsverzeichnis

Der Laktathaushalt ist ein zentraler Bestandteil des menschlichen Energiestoffwechsels und ermöglicht dem Organismus, sich flexibel an unterschiedliche Belastungs- und Versorgungssituationen anzupassen. Laktat entsteht kontinuierlich als physiologisches Zwischenprodukt der Glykolyse, insbesondere dann, wenn Energie schnell bereitgestellt werden muss oder die oxidative Kapazität der Mitochondrien vorübergehend begrenzt ist. Dabei handelt es sich nicht um ein metabolisches „Abfallprodukt“, sondern um einen vielseitigen Energieträger und Signalstoff, der wesentlich zur Stabilisierung des zellulären Stoffwechselgleichgewichts beiträgt.

Biochemisch entsteht Laktat aus Pyruvat durch die reversible Reaktion der Laktatdehydrogenase. Dieser Schritt ist essenziell, da er die Regeneration von NAD⁺ ermöglicht und damit den kontinuierlichen Ablauf der Glykolyse auch unter hoher Belastung sicherstellt. Das gebildete Laktat kann anschließend entweder lokal weiterverwertet oder über den Blutkreislauf in andere Gewebe transportiert werden, wo es erneut in den oxidativen Energiestoffwechsel eingebunden oder für die Glukoseneubildung genutzt wird. Laktat fungiert damit als flexibles Bindeglied zwischen verschiedenen Organen und metabolischen Zuständen. Die Regulation des Laktathaushalts beruht auf einem fein abgestimmten Zusammenspiel aus Enzymaktivität, Transportprozessen, mitochondrialer Leistungsfähigkeit und dem zellulären Redoxstatus. Dabei ist nicht allein die Menge des gebildeten Laktats entscheidend, sondern vor allem die Fähigkeit des Organismus, Laktat effizient zu transportieren und zu verwerten. Genau hierin zeigen sich deutliche interindividuelle Unterschiede: Menschen unterscheiden sich von Natur aus in ihrer metabolischen Ausprägung, wodurch Laktat unter vergleichbaren Bedingungen unterschiedlich stark ansteigt oder unterschiedlich schnell abgebaut wird. Diese Unterschiede sind unter anderem genetisch mitbedingt. Die individuelle Ausstattung des Stoffwechsels beeinflusst, wie effizient Laktat gebildet, weitergeleitet und wieder in den Energiestoffwechsel integriert werden kann. Dadurch erklärt sich, warum manche Menschen Laktat sehr rasch verwerten und auch unter Belastung stabil bleiben, während andere bereits bei moderater Beanspruchung höhere Laktatspiegel entwickeln. Diese genetische Grundveranlagung bildet den metabolischen Rahmen, innerhalb dessen Umweltfaktoren wie Training, Ernährung, Sauerstoffversorgung und Mikronährstoffstatus wirksam werden.

Gerät das Gleichgewicht zwischen Laktatbildung und -verwertung dauerhaft aus der Balance, können erhöhte Laktatspiegel Ausdruck einer eingeschränkten metabolischen Flexibilität sein. Sie werden zunehmend nicht nur als leistungsphysiologischer Parameter, sondern auch als Marker für eine gestörte Energieverwertung betrachtet und stehen in Zusammenhang mit verminderter Regenerationsfähigkeit, Insulinresistenz und chronischer Belastung des Stoffwechsels. Die differenzierte Betrachtung des Laktathaushalts ermöglicht somit einen tiefen Einblick in die individuelle Stoffwechsellogik des Menschen. Sie macht verständlich, warum metabolische Reaktionen so unterschiedlich ausfallen, und eröffnet in der Präventiv- und Individualmedizin die Möglichkeit, Interventionen gezielt an die persönliche Ausgangslage anzupassen.

Implikationen für den Praxisalltag

Um den Laktathaushalt nach körperlicher Belastung effektiv zu unterstützen, ist ein ganzheitlicher Ansatz entscheidend, der Training, Regeneration, Ernährung und Lebensstil sinnvoll miteinander verbindet. Eine gezielte Trainingssteuerung bildet dabei die Grundlage: Regelmäßige Bewegung im niedrigen bis moderaten Intensitätsbereich verbessert die oxidative Leistungsfähigkeit der Muskulatur und fördert die Fähigkeit des Körpers, Laktat effizient weiter zu verwerten. Hochintensive Belastungen sollten bewusst dosiert und durch ausreichend Erholungsphasen ergänzt werden, da eine dauerhaft zu hohe Trainingsintensität den Laktatabbau eher behindert als fördert.

Ein wesentlicher Faktor für eine rasche Normalisierung des Stoffwechsels ist die aktive Regeneration. Leichte Bewegung nach dem Training hält die Durchblutung aufrecht und unterstützt den Abtransport von Laktat aus der Muskulatur deutlich besser als vollständige Ruhe. Ergänzend dazu spielt die Atmung eine wichtige Rolle: Eine ruhige, tiefe und gleichmäßige Atmung verbessert die Sauerstoffversorgung und erleichtert die Rückführung von Laktat in oxidative Stoffwechselwege, wodurch sich der Körper schneller stabilisieren kann. Auch die Ernährung beeinflusst maßgeblich, wie effizient der Organismus mit Laktat umgeht. Nach körperlicher Belastung unterstützt eine bedarfsgerechte Zufuhr von Kohlenhydraten und hochwertigem Protein die Wiederauffüllung der Energiespeicher und fördert regenerative Prozesse. Gleichzeitig sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden, da Wasser und Elektrolyte für den Transport und die Ausscheidung von Stoffwechselprodukten unverzichtbar sind. Ein ausgeglichener Hydratationsstatus trägt wesentlich zur Stabilisierung des inneren Milieus bei.

Darüber hinaus ist eine gute Versorgung mit Mikronährstoffen von zentraler Bedeutung. B-Vitamine, Magnesium, Eisen sowie antioxidativ wirksame Substanzen unterstützen die mitochondriale Energiegewinnung, den Säure-Basen-Haushalt und die allgemeine Stoffwechselstabilität. Eine individuell abgestimmte Mikronährstoffversorgung kann die Regenerationsfähigkeit deutlich verbessern und dazu beitragen, dass Laktat nicht als Belastung, sondern als effizient nutzbarer Energieträger fungiert. Nicht zuletzt sind Schlaf und Stressmanagement entscheidende Einflussfaktoren. Während des Schlafs laufen zentrale Reparatur- und Anpassungsprozesse ab, die auch die langfristige Regulation des Laktathaushalts verbessern. Chronischer Stress hingegen kann die metabolische Flexibilität einschränken und den Abbau von Laktat verlangsamen. Entspannungsstrategien und ausreichend Erholung sind daher keine Ergänzung, sondern eine grundlegende Voraussetzung für eine stabile Leistungsfähigkeit.

Insgesamt zeigt sich, dass ein effizienter Umgang mit Laktat nicht das Ergebnis einzelner Maßnahmen ist, sondern aus der konsequenten Abstimmung von Belastung, Regeneration, Ernährung und Lebensstil entsteht. Wer diese Faktoren bewusst berücksichtigt, schafft optimale Bedingungen für schnelle Erholung, nachhaltige Leistungsentwicklung und langfristige metabolische Gesundheit.

Übersicht der verwendeten Literatur​​

FET e.V. Laktat [Internet]. fet-ev.eu; o.J. [cited 2026 Jan 29]. Available from:
https://fet-ev.eu/laktat/

HPC Austria. Laktat: Ein unterschätzter Akteur der modernen Biologie und Sportwissenschaft [Internet]. h-p-c.at; o.J. [cited 2026 Jan 29]. Available from:
https://www.h-p-c.at/laktat-ein-unterschaetzter-akteur-der-modernen-biologie-und-sportwissenschaft/

DAK Gesundheit. Laktat: Darum entsteht es beim Sport [Internet]. dak.de; o.J. [cited 2026 Jan 29]. Available from:
https://www.dak.de/dak/gesundheit/bewegung-und-sport/sport-fakten-wissen/laktat-darum-entsteht-es-beim-sport_29484

Thieme viamedici. Glykolyse: Übersicht, Reaktionen und Energiebilanz [Internet]. viamedici.thieme.de; o.J. [cited 2026 Jan 29]. Available from:
https://viamedici.thieme.de/lernmodul/547091/538871/glykolyse+%C3%BCbersicht+reaktionen+und+energiebilanz

DocCheck Flexikon. Lactatdehydrogenase [Internet]. DocCheck; o.J. [cited 2026 Jan 29]. Available from:
https://flexikon.doccheck.com/de/Lactatdehydrogenase

AMBOSS. Abbau und Synthese der Glucose [Internet]. AMBOSS; o.J. [cited 2026 Jan 29]. Available from:
https://www.amboss.com/de/wissen/abbau-und-synthese-der-glucose/

Medi-Karriere. Laktatdehydrogenase (LDH) [Internet]. medi-karriere.de; o.J. [cited 2026 Jan 29]. Available from:
https://www.medi-karriere.de/wiki/laktatdehydrogenase-ldh/

Trillium Immunologie. Immunmetabolismus leicht gemacht [Internet]. trillium.de; 2019 [cited 2026 Jan 29]. Available from:
https://www.trillium.de/zeitschriften/trillium-immunologie/archiv/ausgaben-2019/heft-22019/immunologie-leicht-gemacht/immunmetabolismus-leicht-gemacht.html

DBA Online. Laktat: eine bedeutende Messgröße im Sport [Internet]. dba-online.de; o.J. [cited 2026 Jan 29]. Available from:
https://dba-online.de/laktat-eine-bedeutende-messgroesse-im-sport/

German Journal of Sports Medicine. Juel (PDF) [Internet]. germanjournalsportsmedicine.com; 2004 [cited 2026 Jan 29]. Available from:
https://www.germanjournalsportsmedicine.com/fileadmin/content/archiv2004/heft06/Juel.pdf

German Journal of Sports Medicine. Übersicht Brooks (PDF) [Internet]. germanjournalsportsmedicine.com; 2008 [cited 2026 Jan 29]. Available from:
https://www.germanjournalsportsmedicine.com/fileadmin/content/archiv2008/heft12/uebersicht_brooks_12_2008.pdf

Österreichische Akademie der Wissenschaften. Effektive Hemmung des Laktat-Transports [Internet]. oeaw.ac.at; o.J. [cited 2026 Jan 29]. Available from:
https://www.oeaw.ac.at/news/effektive-hemmung-des-laktat-transports

Thieme Connect. Artikel (10.1055/s-0031-1277544) [Internet]. thieme-connect.com; o.J. [cited 2026 Jan 29]. Available from:
https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0031-1277544

ScienceDirect. Article page (S1440244012000370) [Internet]. Elsevier; o.J. [cited 2026 Jan 29]. Available from:
https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1440244012000370

Science. Lactate transported by MCT1 plays an active role in promoting mitochondrial biogenesis and enhancing TCA flux in skeletal muscle [Internet]. Science/AAAS; o.J. [cited 2026 Jan 29]. Available from:
https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.adn4508

Universität zu Köln (KUPS). Vergleich KappMCT1 (PDF) [Internet]. KUPS; o.J. [cited 2026 Jan 29]. Available from:
https://kups.ub.uni-koeln.de/70180/1/LO%20formatiert%20Vergleich%20KappMCT1-formatiert23042023.pdf

DocCheck Flexikon. Monocarboxylat-Transporter 1 [Internet]. DocCheck; o.J. [cited 2026 Jan 29]. Available from:
https://flexikon.doccheck.com/de/Monocarboxylat-Transporter_1

Zhang L, Xin C, Wang S, Zhuo S, Zhu J, Li Z, Liu Y, Yang L, Chen Y. Lactate transported by MCT1 plays an active role in promoting mitochondrial biogenesis and enhancing TCA flux in skeletal muscle. Sci Adv. 2024 Jun 28;10(26):eadn4508. doi: 10.1126/sciadv.adn4508. Epub 2024 Jun 26. PMID: 38924407; PMCID: PMC11204292.

Massidda M, Eynon N, Bachis V, Corrias L, Culigioni C, Piras F, Cugia P, Scorcu M, Calò CM. Influence of the MCT1 rs1049434 on Indirect Muscle Disorders/Injuries in Elite Football Players. Sports Med Open. 2015;1(1):33. doi: 10.1186/s40798-015-0033-9. Epub 2015 Oct 11. PMID: 26478856; PMCID: PMC4600723.

Massidda M, Flore L, Kikuchi N, Scorcu M, Piras F, Cugia P, Cięszczyk P, Tocco F, Calò CM. Influence of the MCT1-T1470A polymorphism (rs1049434) on repeated sprint ability and blood lactate accumulation in elite football players: a pilot study. Eur J Appl Physiol. 2021 Dec;121(12):3399-3408. doi: 10.1007/s00421-021-04797-z. Epub 2021 Sep 4. PMID: 34480633.

Guilherme JPLF, Bosnyák E, Semenova EA, Szmodis M, Griff A, Móra Á, Almási G, Trájer E, Udvardy A, Kostryukova ES, Borisov OV, Larin AK, Andryushchenko LB, Akimov EB, Generozov EV, Ahmetov II, Tóth M, Junior AHL. The MCT1 gene Glu490Asp polymorphism (rs1049434) is associated with endurance athlete status, lower blood lactate accumulation and higher maximum oxygen uptake. Biol Sport. 2021 Sep;38(3):465-474. doi: 10.5114/biolsport.2021.101638. Epub 2020 Dec 22. PMID: 34475628; PMCID: PMC8329966.

Seki S, Kobayashi T, Beppu K, Nojo M, Hoshina K, Kikuchi N, Okamoto T, Nakazato K, Hwang I. Association Among MCT1 rs1049434 Polymorphism, Athlete Status, and Physiological Parameters in Japanese Long-Distance Runners. Genes (Basel). 2024 Dec 19;15(12):1627. doi: 10.3390/genes15121627. PMID: 39766893; PMCID: PMC11675177.