JoJo-Effekt

Lesedauer: 10 Minuten

JoJo-Effekt

Lesedauer: 10 Minuten 

Der JoJo-Effekt ist eines der wichtigsten Beispiele dafür, dass Gewichtsregulation nicht ausschließlich eine Frage von Willenskraft ist, sondern das Ergebnis hochsensibler biologischer Steuerungssysteme. Bei starker Kalorienreduktion aktiviert der Körper evolutionär konservierte Schutzprogramme: Der Energieverbrauch sinkt, Hunger- und Stressachsen werden verstärkt, und die Speicherung von Nährstoffen wird nach der Diät besonders effizient. Dadurch entsteht ein biologischer „Rebound“, bei dem verlorenes Gewicht rasch zurückkehrt – häufig begleitet von Muskelverlust und einer Verschlechterung der metabolischen Ausgangslage. Neben hormonellen Faktoren wie Leptin, Ghrelin, Insulin und Cortisol beeinflussen auch genetisch regulierte Stoffwechselknotenpunkte, insbesondere PPARG und ADRB2, wie stark der Organismus in den Energiesparmodus schaltet und wie ausgeprägt die Wiederzunahme ausfällt. Dieser Beitrag ordnet die Mechanismen ein und zeigt, welche Strategien den JoJo-Zyklus nachhaltig durchbrechen können.

Das Wichtigste in Kürze
  • Der Jo-Jo-Effekt ist keine Willensschwäche, sondern eine biologische Anpassungsreaktion auf Kalorienmangel. Hormonelle Gegenregulation (↓ Leptin, ↑ Ghrelin, ↑ Cortisol), sinkender Grundumsatz und Muskelabbau versetzen den Körper in einen Energiesparmodus, der nach Diäten eine beschleunigte Fettspeicherung begünstigt.

  • Gene und relevante Genvarianten:
    • PPARG: steuert Fettspeicherung, Insulinsensitivität und Rebound-Effekte nach Diäten; Ala-Träger zeigen oft eine günstigere metabolische Anpassung.
    • ADRB2: reguliert adrenerge Lipolyse und Energieverbrauch; eingeschränkte Rezeptoraktivität erhöht die Anfälligkeit für Fett-Rückspeicherung nach Kalorienrestriktion

  • Tipps für die Umsetzung:
    Langsame, moderate Kalorienreduktion, konsequenter Muskelerhalt durch Krafttraining, ausreichende Proteinzufuhr, Stress- und Schlafmanagement sowie langfristig stabile Ernährungsgewohnheiten helfen, den Stoffwechsel aktiv zu halten und den Jo-Jo-Effekt zu vermeiden.

Inhaltsverzeichnis

Der JoJo-Effekt beschreibt das typische Auf und Ab des Körpergewichts nach Diäten und verdeutlicht, wie fein abgestimmt der menschliche Stoffwechsel auf Energieverfügbarkeit reagiert. Wenn die Kalorienzufuhr stark reduziert wird, interpretiert der Körper dies als potenzielle Hungersituation, ein evolutionär tief verankerter Schutzmechanismus. In der Folge werden mehrere hormonelle und metabolische Gegenregulationen aktiviert, die darauf abzielen, Energie zu sparen und Fettreserven zu bewahren.

Zentral daran beteiligt sind vor allem die Hormone Leptin und Ghrelin. Sinkt der Fettanteil während einer Diät, fällt der Leptinspiegel ab. Das Gehirn erhält dadurch das Signal, dass Energiereserven knapp werden. Gleichzeitig steigt die Ausschüttung von Ghrelin, das den Appetit stimuliert und das Hungergefühl verstärkt. Diese Kombination führt zu einer doppelten Herausforderung: Der Energieverbrauch wird reduziert, während die Nahrungsaufnahme wieder zunimmt. Auch der Insulinstoffwechsel passt sich an: Während einer kalorienarmen Phase verbessert sich die Insulinsensitivität kurzfristig, doch nach Ende der Diät kann es zu einer überschießenden Reaktion kommen. Der Körper speichert dann Nährstoffe besonders effizient – vor allem in Form von Fett. Verstärkt wird dieser Effekt durch einen Anstieg des Cortisolspiegels, der in Stresssituationen wie starkem Kaloriendefizit ansteigt und muskuläre Substanz abbaut. Da Muskelgewebe jedoch maßgeblich zum Energieverbrauch beiträgt, sinkt der Grundumsatz langfristig.

Neben diesen hormonellen Anpassungsmechanismen spielen auch genetische Veranlagungen eine Rolle. Menschen unterscheiden sich individuell darin, wie stark ihr Stoffwechsel auf Energieeinschränkungen reagiert, wie effizient sie Fett speichern und wie ihr Appetit reguliert wird. Diese Unterschiede erklären, warum manche Personen nach Diäten schneller wieder zunehmen als andere, selbst bei ähnlichem Verhalten. Wird nach einer Diät wieder „normal“ gegessen, bleibt der Stoffwechsel zunächst im Energiesparmodus. Der Körper legt Vorräte an, um für zukünftige Mangelphasen gewappnet zu sein. Dadurch entsteht das typische Muster: Nach Gewichtsabnahme folgt eine überproportionale Gewichtszunahme, oft über das Ausgangsgewicht hinaus.

Langfristig kann dieser zyklische Wechsel aus Abnehmen und Zunehmen nicht nur frustrierend sein, sondern auch gesundheitliche Folgen haben. Wiederholte Gewichtsschwankungen begünstigen die Entwicklung von Insulinresistenz, Fettstoffwechselstörungen und Bluthochdruck, da der Körper durch die ständige Umstellung des Energiehaushalts und den hormonellen Stress aus dem Gleichgewicht gerät.

Der JoJo-Effekt ist somit keine reine Willensfrage, sondern Ausdruck eines komplexen Zusammenspiels von hormonellen Regelkreisen, metabolischer Anpassung und genetischer Disposition. Eine nachhaltige Gewichtsregulation gelingt daher nur dann, wenn Ernährung, Bewegung und Stoffwechsel langfristig in ein stabiles, individuell passendes Gleichgewicht gebracht werden, statt kurzfristig gegen die eigene Biologie anzukämpfen.

Implikationen für den Praxisalltag

Wie stark und nachhaltig der Körper auf Diäten und Gewichtsveränderungen reagiert, hängt wesentlich davon ab, wie fein seine inneren Regelkreise zwischen Energieaufnahme, Verbrauch und Speicherung zusammenarbeiten. Der sogenannte JoJo-Effekt ist Ausdruck eines gestörten Gleichgewichts dieser Mechanismen: Nach einer Phase der Kalorienrestriktion reagiert der Organismus mit einer ganzen Reihe adaptiver Prozesse, die ursprünglich dem Überleben in Zeiten von Nahrungsmangel dienten, heute jedoch dazu führen, dass verloren gegangene Kilos rasch wieder zurückkehren und das oft über das Ausgangsgewicht hinaus.

Wird die Energiezufuhr über einen längeren Zeitraum stark reduziert, interpretiert der Körper dies als potenzielle Hungersituation. Der Stoffwechsel reagiert sofort: Der Grundumsatz sinkt, die Körpertemperatur und Thermogenese werden reduziert, und hormonelle Systeme sich in Richtung Energiesparen. Der Körper versucht, mit weniger Energie auszukommen und jede verfügbare Kalorie möglichst effizient zu verwerten. In dieser Phase wird weniger Fett verbrannt, und die Aktivität des sympathischen Nervensystems, das entscheidend für die Fettmobilisierung ist, nimmt deutlich ab.

Parallel dazu steigen Hunger- und Appetithormone, während Sättigungssignale abgeschwächt werden. Diese hormonellen Rückkopplungen führen dazu, dass die Nahrungsaufnahme nach Ende einer Diät besonders stark stimuliert wird. Sobald wieder mehr Energie zugeführt wird, setzt der Körper alles daran, seine Reserven aufzufüllen. Die Fettzellen nehmen vermehrt Nährstoffe auf, die Lipogenese steigt, und der Energiestoffwechsel bleibt zunächst auf „Sparflamme“. In dieser Phase werden Kalorien bevorzugt als Fett gespeichert, vor allem im viszeralen Bereich – ein evolutionär sinnvolles, aber heute kontraproduktives Schutzsystem.

Ein weiterer Faktor des JoJo-Effekts ist der Verlust an Muskelmasse während restriktiver Diäten. Da Muskeln metabolisch aktives Gewebe darstellen, sinkt der Energieverbrauch mit abnehmender Muskelmasse erheblich. Nach der Diät bleibt der Grundumsatz niedriger, sodass der Körper selbst bei moderater Kalorienzufuhr im Energiesparmodus verharrt. Wird die Ernährung dann wieder „normalisiert“, übersteigt die Energieaufnahme den Verbrauch deutlich – das Gewicht steigt, und der Zyklus beginnt von Neuem.

Neben diesen physiologischen Anpassungen spielt auch die psychoneuroendokrine Ebene eine Rolle: Wiederholte Diäten aktivieren chronisch Stressachsen, was über Cortisolausschüttung nicht nur Heißhunger, sondern auch Fettneubildung im Bauchraum fördert. Zugleich verändert sich die neuronale Reaktion auf Belohnungsreize. Nahrung wird nach Diätphasen als besonders „wertvoll“ empfunden, was die Kontrolle über das Essverhalten erschwert.

Entscheidend ist daher, nicht den kurzfristigen Gewichtsverlust in den Vordergrund zu stellen, sondern die langfristige metabolische Stabilität. Der Körper braucht Zeit, um sich an neue Energieverhältnisse anzupassen. Eine moderate, stetige Reduktion der Kalorienzufuhr in Kombination mit regelmäßiger Bewegung hilft, den Grundumsatz zu stabilisieren, den Muskelerhalt zu fördern und hormonelle Gegenregulationen abzufedern. Besonders wichtig ist eine ausreichende Zufuhr von Proteinen und Mikronährstoffen, da sie sowohl die Sättigung fördern als auch die Mitochondrienfunktion und Fettverbrennung unterstützen.

Langfristig lässt sich der JoJo-Effekt nur vermeiden, wenn der Körper lernt, ein neues metabolisches Gleichgewicht zu halten, ohne das Gefühl von Mangel. Das bedeutet: keine extremen Diäten, sondern eine dauerhaft angepasste Ernährungsweise, kombiniert mit Training, das den Energieverbrauch stabilisiert und die Fettverbrennung aktiviert. So wird aus kurzfristigem Gewichtsverlust eine nachhaltige metabolische Reprogrammierung, die das Körpergewicht dauerhaft im Gleichgewicht hält.

Übersicht der verwendeten Literatur​​

BARMER. Jojo-Effekt bei Diäten: Warum das Gewicht wieder steigt. Zugriff am 13. Januar 2026. https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/leben/abnehmen-diaet/jojo-effekt-bei-diaeten-1128682

DocCheck Flexikon. Jojo-Effekt. Zugriff am 13. Januar 2026. https://flexikon.doccheck.com/de/Jojo-Effekt

UGB (Union für ganzheitliche Bildung). Jojo-Effekt. Zugriff am 13. Januar 2026. https://www.ugb.de/gesund-abnehmen-ohne-diaet/jojo-effekt/

MDR Wissen. Fettzellen merken sich Übergewicht. Zugriff am 13. Januar 2026. https://www.mdr.de/wissen/medizin-gesundheit/fettzellen-merken-sich-uebergewicht-100.html

SWR. Fettzellen erinnern sich an Übergewicht. Zugriff am 13. Januar 2026. https://www.swr.de/leben/gesundheit/fettzellen-erinnern-sich-an-uebergewicht-100.html

Universität Leipzig. Ursache des Jo-Jo-Effekts entschlüsselt. Veröffentlicht 18. November 2024. Zugriff am 13. Januar 2026. https://www.uni-leipzig.de/newsdetail/artikel/ursache-des-jo-jo-effekts-entschluesselt-2024-11-18

Laborpraxis (Vogel). Übergewicht/Jo-Jo-Effekt: Epigenetik-Studie. Zugriff am 13. Januar 2026. https://www.laborpraxis.vogel.de/uebergewicht-jojo-effekt-epigenetik-studie-a-7288d858fc1977330b266731f696f81b/

NDR Ratgeber Gesundheit. Jo-Jo-Effekt: Warum Diäten scheitern. Zugriff am 13. Januar 2026. https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Jo-Jo-Effekt-Warum-Diaeten-scheitern,abnehmen380.html

Focus Online. Mechanismus hinter Jojo-Effekt aufgedeckt – wie Sie sich schützen. Zugriff am 13. Januar 2026. https://www.focus.de/gesundheit/news/fiese-abnehmfalle-mechanismus-hinter-jojo-effekt-aufgedeckt-wie-sie-sich-davor-schuetzen_id_260488703.html

Genuss & Gesund. Genbasierte Ernährung. Zugriff am 13. Januar 2026. https://genuss-gesund.de/genbasierte_ernahrung/

Naturheilkunde Akademie. Good Aging: Gesundheit und Lebensqualität bis ins hohe Alter. Zugriff am 13. Januar 2026. https://naturheilkunde-akademie.at/good-aging-gesundheit-und-lebensqualitaet-bis-ins-hohe-alter/

Cecil JE, Watt P, Palmer CNA, Hetherington M. Energy balance and food intake: the role of PPARgamma gene polymorphisms. Physiol Behav. 2006;88(3):227-233. doi:10.1016/j.physbeh.2006.05.028

Zarebska A, Jastrzebski Z, Cieszczyk P, et al. The Pro12Ala polymorphism of the peroxisome proliferator-activated receptor gamma gene modifies the association of physical activity and body mass changes in Polish women. PPAR Res. 2014;2014:373782. doi:10.1155/2014/373782

DocCheck Flexikon. Peroxisom-Proliferator-aktivierter Rezeptor gamma. Zugriff am 13. Januar 2026. https://flexikon.doccheck.com/de/Peroxisom-Proliferator-aktivierter_Rezeptor_gamma

IME Online. Erneute Gewichtszunahme nach Gewichtsabnahme hängt vom Interleukin-6- und PPAR-gamma2-Polymorphismus ab. Zugriff am 13. Januar 2026. https://www.imeonline.de/wissenschaftlicher-informationsdienst/detail/die-erneute-gewichtszunahme-nach-einer-gewichtsabnahme-durch-eine-energie-restriktive-ernaehrung-haengt-vom-interleukin-6-und-ppar-gamma2-genpolymorphismus-ab/

SNPedia. Rs1801282. Zugriff am 13. Januar 2026. https://bots.snpedia.com/index.php/Rs1801282

Li S, Zhao JH, Luan J, et al. (PPARγ rs1801282 / Pro12Ala) – Übersichts-/Meta-Analyse-Kontext. Front Endocrinol (Lausanne). 2022;13:919087. doi:10.3389/fendo.2022.919087

Kelley EF, Johnson BD, Snyder EM. Beta-2 adrenergic receptor genotype influences power output in healthy subjects. J Strength Cond Res. 2017;31(8):2053-2059. doi:10.1519/JSC.0000000000001978

Yaman Kalender DS, Ertürk MS, Subaşıoğlu A, et al. De novo BETA-2 adrenergic receptor gene variant associated with obesity. JCEM Case Rep. 2023;1(Suppl 1):luac014.035. doi:10.1210/jcemcr/luac014.035

GeneCards. ADRB2 gene. Zugriff am 13. Januar 2026. https://www.genecards.org/cgi-bin/carddisp.pl?gene=ADRB2

DocCheck Flexikon. β₂-Adrenozeptor. Zugriff am 13. Januar 2026. https://flexikon.doccheck.com/de/%CE%922-Adrenozeptor

National Center for Biotechnology Information (NCBI). ADRB2 gene (Gene ID: 154). Zugriff am 13. Januar 2026. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/gene/154